Antifolk, was zur Hölle ist das? Das fragen sich einige, obwohl das Genre ja mittlerweile hinlänglich bekannt ist; in Deutschland seit dem großen Erfolg Adam Greens, dem Mitglied der verkleidet aufzutreten pflegenden Moldy Peaches, das vor allem zwischen 2003 und 2005 Erfolge in den Charts verbuchen konnte und Auftritte bei Stefan Raab und Harald Schmidt hatte.
Der Begriff ist also eigentlich hinlänglich bekannt. Aber woher er kommt, oder was er bezeichnet, weiß niemand so genau. Die Herkunft lässt sich vielleicht noch mehr oder weniger aufspüren, doch was am Antifolk anti ist und wie er sich zu Folk verhält, steht der Interpretation des Hörers oder der Hörerin mehr oder minder offen. Aufgekommen ist er wohl Mitte der achtziger Jahre in New York. Dort fanden zu der Zeit vermehrt Musiker keinen Weg in die Folk-Infrastruktur, da sie als „zu punk“ galten. Was Folk und Punk gemein haben, ist auf jeden Fall eine DIY-Ethik, und so begannen die Folkmusiker, die zu punk waren, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Der Musiker, der sich nach einem Erwachsenenmagazin „Lach“ nennt, veranstaltet seither die montägliche Open-Mic-Nächte im Sidewalk-Café im New Yorker East Village und knüpft damit an die großen Tage der Folk-Szene der sechziger Jahre an, nur dass die Musik sich durchaus auf dem Punk verwandte Bands und Künstler bezieht; vor allem The Velvet Underground sind eine gern genannte Referenz; speziell die wenigen von Schlagzeugerin Moe Tucker gesungenen Stücke. Aus der ursprünglichen Szene gingen Künstler wie Beck und Ani Di Franco hervor, die sich schon erheblich von dem unterscheiden, was man heute unter Antifolk versteht. Die Moldy Peaches ordnet man heute der Szene zu, Jeffrey Lewis gilt gleichsam als Mastermind; die ursprünglich französische Band Herman Düne wird ebenfalls gerne unter dieses Label subsumiert.